CME® (Cuevas Medek Exercises)

Pädiatrische Therapieform, erfunden 1972 von Ramon Cuevas für Kinder mit Entwicklungsverzögerung, verursacht durch ein bekanntes oder unbekanntes Syndrom mit Auswirkung auf das zentrale Nervensystem

Die CME® Therapie basiert auf dynamischen, herausfordernden Übungen, die manuell bei den Kindern angewendet werden, um automatische motorische Reaktionen hervorzurufen

Obwohl es nicht notwendig ist, dass bei einem Kind zu Beginn der Therapie eine formelle Diagnose einer ZNS-Anomalie vorliegt, finden Sie im Folgenden eine Liste von Diagnosen, für die CME® eine geeignete therapeutische Intervention sein kann:

Indikationen:

  • Globale Entwicklungsverzögerung
  • Zerebralparese
  • Genetische Störung (wie Down-Syndrom, Rett-Syndrom, Angelmann-Syndrom)
  • Spina bifida
  • Anfallsleiden (bei Kindern unter ärztlicher Aufsicht)
  • Risiko einer motorischen Verzögerung im Zusammenhang mit einer Frühgeburt und/oder einer hypoxischen Hirnverletzung

Kontraindikationen:

  • Jede Diagnose degenerativer Natur, die das neuromuskuläre System betrifft (progressive Erkrankung)
  • Diagnose der Osteogenesis Imperfecta
  • Unkontrollierte Anfälle
  • Kind ist jünger als 3 Monate , außer der CME®-Therapeut ist ein Level II oder III Absolvent    

Haupteigenschaften von CME®

1.       CME® provoziert das Auftreten fehlender oder NEUER motorischer Funktionen

Nach einer ersten motorischen Untersuchung anhand der CME®-Assessments stellt der Therapeut ein individuelles Programm anhand der Bewertungsergebnisse zusammen. Mit diesem geeigneten Übungsplan wird das Kind dazu angeregt, motorische Reaktionen hervorzurufen, die es vorher nicht konnte und somit neue Gehirnverbindungen erzeugen.

Wenn eine Übung keine Herausforderung für das Kind mehr darstellt, gilt sie als nicht mehr geeignet.

2.       CME® provoziert automatische Reaktionen der motorischen Kontrolle

Kopfkontrolle, Rollen, Sitzen, Stehen und Gehen sind grundlegende motorische Funktionen, welche ihren Ursprung im zentralen Nervensystem haben und unter dem Einfluss der Schwerkraft in jedem Stadium der Entwicklung des Kindes die entsprechenden Haltungs- und Funktionsreaktionen hervorruft.

3.       CME® setzt das Kind dem natürlichen Einfluss der Schwerkraft aus und geht schrittweise zur distalen Unterstützung über

Einfluss der Schwerkraft: Da die Schwerkraft das wichtigste äußere Element ist, dass das Kind dazu anregt, zu reagieren und die erwartete motorische Reaktion hervorzurufen, wird durch das Übungsprogramm die Belastung schrittweise gesteigert. Somit ist es möglich, die neuromuskuläre Reaktion des Kindes der neuen Haltungen und Bewegungen zu verbessern.

Wird ein Kind durch den Einsatz von Hilfsmitteln der Schwerkraft ausgesetzt , haben sie nicht die Möglichkeit, ihre Muskulatur gegen die Schwerkraft zu aktivieren und diese in möglichen somit in Sturzsituationen richtig anzusteuern. Während der CME®-Einheiten werden die Kinder unterschiedlichen Übungen ausgesetzt, in denen sie eigenständig ihre Muskulatur aktivieren müssen, wie zum Beispiel Kopf anheben, sitzen und aufgerichtetes Stehen gegen die Schwerkraft, ohne Geräte von außen.

Verwendung einer distalen Unterstützung: Solange Kinder mit motorischen Verzögerung nicht die Erfahrung mit Haltungsfreiheit machen, kann ihr Gehirn nicht zur nächsten Stufe   der motorischen Evolution springen. Wenn das Kind nicht unterhalb seines Körperschwerpunktes unterstützt wird, erfährt es nicht die nötige Kraftanstrengung, die Position seines Schwerpunktes zu kontrollieren, die Haltung zu erkennen und entsprechend zu reagieren. CME® nutzt dazu die distalen Griffe, um jedes Kind individuell am tiefsten Punkt, den es tolerieren kann zu unterstützen, was beim Stehen an den Oberschenkeln, unterhalb der Knie, an den Knöcheln oder sogar unter den Fußsohlen sein kann.

4.       Ein veränderter Muskeltonus in den unteren Extremitäten stellt kein Hindernis dar, um an der Standkontrolle zu arbeiten

Sofern das Kind älter als 7 Monate ist, wird in der CME®-Behandlung die Stehhaltung sofort angeregt um die primäre vertikale Haltung zu entwickeln, welche die Grundlage für jede weitere motorische Aktivität ist. Um orthopädischen Problemen wie Kontrakturen oder Hüftsubluxationen/-luxationen vorzubeugen, ist es unbedingt erforderlich, dass Kinder mit verändertem Muskeltonus in den unteren Extremitäten Gewicht auf diese bringen.

5.       Dehnungsübungen sind in den CME®-Behandlungsplan integriert

Um den Einsatz von Orthesen zu vermeiden, werden aktive Dehnübungen für Hüfte, Knie und Knöchel im Stehen integriert. Die Übungen in der CME®-Therapie umfassen die Elemente Bewegungsumfang, Antigravitations-Haltungsreaktion und Gewichtsbelastung für eine effektive Dehnung. Die funktionelle Dehnung sorgt für eine Verlängerung die dann in einem funktionellen Kontext genutzt werden kann.

6.       Die Mitarbeit und Motivation des Kindes sind nicht erforderlich, um mit der CME®-Therapie fortzufahren


Kinder mit motorischen Verzögerungen gewöhnen sich möglicherweise nicht so schnell an neue Umgebungen oder wenn sie mit neuen biomechanischen Erfahrungen konfrontiert werden. Somit erwartet man als CME®-Therapeut von einem Kind, das mit den Frustrationen einer motorischen Verzögerung zu kämpfen hat, nicht, dass es immer zufrieden oder kooperativ mit den für sie herausfordernden Übungen der CME®-Therapie ist, die sie mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass der Therapeut eine Vertrauensbasis mit dem Kind aufbaut und die richtigen Übungen auswählt, um die für das Kind bestmöglichen Reaktionen hervorzurufen und zu unterstützen.

7.       Es wird ein temporärer Therapieversuch vorgeschlagen, um die kurzfristigen Auswirkungen von CME® zu bestimmen

Es wird eine Testphase vorgeschlagen, um die kurzfristigen Ergebnisse der CME®-Therapie darzulegen. Nachdem in der ersten Behandlung durch die CME®-Bewertung kurzfristige Ziele festgelegt wurden, erstellt der Therapeut ein Programm, welches diese erreichen soll. Wenn nach einigen Wochen diese Ziele erreicht sind, wird mit der CME®-Therapie fortgefahren. Sollte jedoch keine spürbare Veränderung erkennbar sein, werden die Familien ermutigt, nach anderen Therapieformen für ihr Kind zu suchen.